Künstler, Galeristen und das Amazon Dilemma

Jetzt ist es passiert – nun müssen sich auch Künstler und Galeristen mit dem leidigen Thema „Digitalisierung“ auseinandersetzen.
Spätestens mit dem enormen Aufschwung, den NFTs die letzen Monate erlebt haben, ist den informierten Teilnehmern am Kunstmarkt klar:

Hier passiert etwas Substanzielles.

Dies ist erst der Anfang…

was wir in den letzten Monaten gesehen haben markiert den Beginn einer massiven Digitalisierung des Kunstmarktes.

Das Verkaufen von digitaler Kunst in Form von NFTs ist erst der Beginn:

Die den NFTs zugrunde liegende Technologie der „Smart contracts“ wird zu einem mächtigen und multifunktionalen Werkzeug für Künstler, Veranstalter, Galeristen, Sammler.

Und ggf. für einige Player, die durch diese Möglichkeiten erst noch entstehen werden.

NFTs werden als Eintrittskarten dienen, Zugriff zu exklusivem Content erlauben, Künstler können Ihre Sammler mit „drops“ in deren Wallets überraschen und somit direkt digital mit ihnen kommunizieren.

Und dies sind alles nur die offensichtlichen Anwendungsmöglichkeiten – es werden sich noch weit fortschrittlichere entwickeln.

Ach… der Kunstmarkt ist sehr speziell, da wird sich nichts ändern…

Dieses Argument hört man immer von Branchen die 4 Jahre später jammern, das Thema eCommerce würde sie kaputt machen.

Die Schuhbranche brauchte sich nicht um eCommerce kümmern – man muß Schuhe ja schließlich anprobieren.

Mittlerweile werden in Deutschland Millarden mittels eCommerce in der Schuhbranche umgesetzt.

Und wer die These vertrat, Schuhe müsse man vor dem Kauf anprobieren und daher sei das Ladengeschäft notwendig… diese Stimmen sind lange verstummt und deren Ladengeschäfte verschwunden

Bücher…. kauft man nicht online – es braucht ja den freundlichen Germanistikstudenten, der kompetente Empfehlungen ausspricht.

Es braucht die heimelige Atmosphäre des Buchladens… Und dann kam Amazon.

Wir könnten die Liste hier fortsetzen mit Lebensmitteln, Bekleidung, und komplexen Produkten.

Immer wurde mit großem Sachverstand begründet, warum gerade DIESE EINE Branche nicht für eCommerce passt. Und immer kam es anders.

Und das Ergebnis ?

Da all diese Branchen es versäumt haben, eigene eCommerce Strukturen beizeiten aufzubauen, die Marktteilnehmer es versäumt haben sich ggf. zu digitalen Ökosystemen zusammenzuschließen, da sich zu viele zu lange darauf verlassen haben, dass dies „Internet Ding“ an einem vorbei gehen würde…

Genau aus diesen Gründen bleiben jetzt nur wenige digitale Marktplätze – mit Amazon an der Spitze – die sowohl den Herstellern als auch den Händlern die Regeln diktieren.

Hätte man beizeiten in den verschiedenen Branchen den digitalen Wandel akzeptiert und frühzeitig Lösungen entwickelt… der eCommerce Markt wäre ein anderer heute.

Und was lernen wir daraus?

Das Thema NFT und digitaler Kunstmarkt ist noch jung.

Künstler, Galeristen, Sammler und Veranstalter haben noch Zeit, das Thema für sich anzunehmen und gemeinsam zu prägen.

Wenn statt dessen aber das Konkurrenzdenken vorherrscht – dass man lieber nichts macht, als etwas mit einem vermeintlichen Wettbewerber zu machen… dann werden wir die Effekte aus dem eCommerce auch im Kunstmarkt sehen.

Wenn viele einzelne Martteilnehmer lieber versuchen Inseln zu bauen, anstatt gemeinsam ein Ökosystem zu bauen, dann werden diese Inseln versinken.

Die nächsten Amazons stehen schon in den Startlöchern:

Opensea.io als Platzhirsch hat die erste Runde im Rennen um Relevanz im NFT Markt gewonnen.

Wenn der Kunstmarkt nicht will, dass Plattformen wie opensea.io den Marktteilnehmern die Regeln oktroyieren – dann müssen die Marktteilnehmer quasi „hic et nunc“ das Thema annehmen und zu einer gemeinsamen Lösung kommen.

Und „Lösung“ ist hier nicht im Sinne einer kleinteiligen und individuellen Problemlösung gemeint:

Es geht darum, die Vision eines digitalen, blockchain-basierten Kunstmarktes zu entwickeln, der auch im Context von Plattformen und der Metaverse Bestand haben wird.

Diese Vision wird jetzt entwickelt – die Frage ist, wer diesen Prozess aktiv mitgestalten wird und wer nur Beifahrer sein wird.

Andere Branchen haben in der Vergangenheit gezeigt, wie man diesen Prozess komplett verschläft und dann mit den Fakten, die große Plattformen gesetzt haben, leben muss.

Wird der Kunstmarkt schlauer sein?

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